Verhalten als Cannabispatient im Alltag

Hier wird der Umgang mit medizinischem Cannabis in alltäglichen Situationen beleuchtet. Wie soll ich mich als Cannabispatient verhalten?

Umgang mit medizinischem Cannabis in alltäglichen Situationen

Da die Verwendung von medizinischem Cannabis noch weiterhin mit vielen Stigmata zu kämpfen hat und es rechtlich als Betäubungsmittel eingestuft wird, gibt es im Alltag als Cannabispatient einige Stolpersteine zu beachten. Dazu zählt zum einen die Ordnungsgemäße Lagerung deiner Medizin. Zum anderen ist die Umgebung entscheidend, in der du medizinisches Cannabis einnimmst. Hast du vor als Cannabispatient eine Reise zu unternehmen, musst du dich im Vorfeld um eine bestimmte Bescheinigung bemühen. Im Straßenverkehr solltest du immer dein aktuelles Rezept dabei haben und deine Fahrtüchtigkeit evaluieren.

Einnahme von medizinischem Cannabis an öffentlichen Orten

Grundsätzlich existieren keinerlei gesetzliche Richtlinien seitens des Gesetzgebers, die spezifizieren, an welchem Ort oder in welchem Umfeld ein Arzneimittel auf Cannabisbasis inhaliert oder eingenommen werden darf. Stattdessen gibt es nur eine Empfehlung seitens der Bundesopiumstelle die Anwendung “wenn immer möglich” nicht im öffentlichen Raum stattfinden zu lassen. Die Formulierung “wenn immer möglich” ist rechtlich sehr dehnbar. Die Vorgabe der Behörde ist im Prinzip unbrauchbar, weil es sich weder um ein klares Verbot noch eine klare Regelung handelt. Zudem ist es für unbeteiligte Bürger in den meisten Fällen nicht zu unterscheiden, ob gerade ein Arzneimittel eingenommen wird oder es sich um Freizeitkonsum handelt. Daher empfiehlt es sich, auf die Einnahme an öffentlichen Orten komplett zu verzichten. Lässt sich die Einnahme nicht vermeiden, sollten Dritte möglichst nicht dem Geruch ausgesetzt werden und ein Raucherbereich aufgesucht werden. 

Wann immer du mit deinem Arzneimittel öffentlich unterwegs bist, solltest du das aktuelle Rezept mit Dosierempfehlung und den Beleg aus der Apotheke mit dir führen.

Medizinisches Cannabis richtig aufbewahren

Bei der Lagerung deiner Cannabisblüten gibt es einige Aspekte zu beachten, damit die Qualität des Produktes erhalten bleibt. Die wichtigsten Faktoren lassen sich unter den Begriffen Licht, Temperatur und Luftfeuchtigkeit zusammenfassen. Dies gewährleistet eine sichere Lagerung und reduziert das Risiko versehentlicher Einnahmen. Insbesondere bestimmte Cannabispräparate erfordern eine Aufbewahrung im Kühlschrank, wobei auch in diesem Fall darauf zu achten ist, dass sie außer Reichweite von Kindern und anderen Personen sind.

Licht

Cannabisblüten sollten stets an einem lichtgeschützten Ort gelagert werden. Direkte Sonneneinstrahlung, insbesondere Uv-Licht, weißt eine zu hohe Energie auf und sorgt damit für eine chemische Reaktion, die dazu führt, das sich die Wirkstoffzusammensetzung ändert und THCA zu CBNA zerfällt. Der Schutz vor Sonnenlicht ist damit auch entscheident für die Potenz deiner Medizin. Die therapeutischen Eigenschaften des THC gehen ebenso verloren. Dein Arzneimittel wird  daher von guten Apotheken in Braun-, noch besser in Violettglas geliefert (wobei es eine Sinn und Preisfrage ist, da das Medikament in dem verschriebenen Zeitraum nicht an Produktqualität einbüßt.)

Temperatur

Auch die Temperatur bei der du dein medizinisches Cannabis lagerst  wirkt sich stark auf die Qualität aus. Eine konstante Temperatur zwischen 10-25 C° wird empfohlen. Zu hohe Temperaturen fördern die Schimmelbildung und den Zerfall der Cannabinoide, während zu niedrige Temperaturen die Trichome brüchig machen, welche die wertvollen Inhaltsstoffe des Cannabis enthalten, die dadurch zerstört werden. Daher ist es auch völlig unsinnig sein medizinisches Cannabis im Kühlschrank oder in der Gefriertruhe zu lagern. Während im Kühlschrank die ungleichmäßige Temperatur die Schimmelbildung durch das entstehen von Kondenswasser fördert, lässt die kalte Luft im Gefrierschrank die Trichome abbrechen.

Luftfeuchtigkeit

Für das Verhindern der Schimmelbildung ist aber vor allem auch die Luftfeuchtigkeit  von entscheidender Bedeutung. Diese sollte idealerweise zwischen 58 und 62% liegen. Eine zu hohe Luftfeuchtigkeit kann zudem auch den Zerfall der Inhaltsstoffe begünstigen. Viele Apotheken legen aus diesem Grund ein Boveda-Pack in das Glas mit deinen Cannabisblüten, was dir bestimmt schon aufgefallen ist. Boveda ist ein weltweit führender Hersteller von 2 Wege-Feuchtigkeitsregulieren. Diese werden aus natürlichen Salzen und gereinigtem Wasser hergestellt und geben stetig Feuchtigkeit ab oder nehmen sie auf, um die gewünschte Luftfeuchtigkeit zu erhalten.

Reisen mit medizinischem Cannabis

Für Cannabispatienten ist das Reisen ohne ihr Medikament undenkbar. Da THC aber nachwievor als Betäubungsmittel eingestuft wird, kann man medizinisches Cannabis nicht einfach so über die Grenze mitnehmen. Laut Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) dürfen Bürgerinnen und Bürger innerhalb der Staaten des Schengenraums ärztlich verschriebene Betäubungsmittel mitführen. Dazu muss von deinem Arzt das sog. Schengenformular ausgefüllt werden. Für alle anderen Länder, rät die Bundesopium nach dem Leitfaden für Reisende des Internationalen Suchtstoffkontrollamtes (INCB) vorzugehen. Demnach benötigt ein Patient von seinem Arzt eine mehrsprachige Bescheinigung mit Angaben zu Einzel- und Tagesdosis, sowie Wirkstoff und Dauer der Reise. Wegen mangelnder internationaler Abstimmung bezüglich der grenzüberschreitenden Mitnahme von Betäubungsmitteln außerhalb des Schengener Raums sollten Patienten sich vor ihrer Reise über die spezifischen nationalen Vorschriften ihres Reiseziels informieren. Weiterlesen…

Medizinisches Cannabis und die Teilnahme am Straßenverkehr

Die Bundesregierung betont, dass Patienten mit medizinischem Cannabis am Straßenverkehr teilnehmen können, solange die behandelte Krankheit und der korrekte Medikamentengebrauch keine Einschränkungen der Fahrtauglichkeit verursachen. Eine klare Richtlinie zur Beurteilung der Fahrtüchtigkeit fehlt aber, daher sind Cannabispatienten angehalten, vor jeder Fahrt ihre eigene Fahreignung sorgfältig zu evaluieren.

Zu Beginn der medizinischen Behandlung findet eine Eingewöhnungsphase von ca. 4-6 Wochen statt. In dieser Zeit sollte das Auto vorübergehend stehen gelassen werden und die Fahrtüchtigkeit in Absprache mit dem behandelnden Arzt bewertet werden. Obwohl es rechtlich keine Ausweispflicht für Cannabispatienten gibt, wird dringend empfohlen, einen Nachweis der Behandlung mitzuführen, um mögliche Missverständnisse bei Verkehrskontrollen zu vermeiden.

Allerdings ist es ein Irrglaube, dass das Cannabisrezept dich als Autofahrer von jeglicher weiteren Überprüfung entbindet. Du darfst zwar als Cannbispatient grundsätzlich ein Kraftfahrzeug führen, das bedeutet aber nicht, dass es im Nachgang der Kontrolle nicht zu Unannehmlichkeiten durch Überprüfungen kommen kann. Erlangt die Fahrerlaubnisbehörde Kenntnis davon, dass jemand Cannabispatient ist, wird von Amtes wegen ein Eignungsüberprüfungsverfahren eingeleitet. Weiterlesen…

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