Die Prohibition von Cannabis – Rassismus & Konzerninteressen stehen über medizinischen Erkenntnissen

Den Ursprung der Kriminalisierung von Cannabis finden wir in den  USA der 30er Jahre. Seither haftet der Ruf als gefährliche Droge am Cannabis. Welche Interessen und Protagonisten bei der Prohibition eine Rolle gespielt haben, erfährst du in diesem Blick in die Geschichte.

Die Prohibition von Cannabis

Rassismus & Konzerninteressen stehen über medizinischen Erkenntnissen

Den Ursprung der Kriminalisierung von Cannabis finden wir in den USA der 30er Jahre. Seither haftet der Ruf als gefährliche Droge am Cannabis. Welche Interessen und Protagonisten bei der Prohibition eine Rolle gespielt haben, erfährst du in diesem Blick in die Geschichte. 

Harry Anslinger

Wie man heute weiß, war das Cannabisverbot kein Wunsch der Mediziner. Sie schätzten Cannabis als wertvolles Heilmittel. Das Verbot beruht einzig und allein auf politischen und wirtschaftlichen Interessen.

Seit 1920 galt in den USA ein staatliches Alkoholverbot. Dieses wurde streng kontrolliert und das Federal Bureau of Narcotics (FBN) geschaffen. Diese Behörde war mit der Durchsetzung des Verbots betraut. US-Finanzminister Andrew W. Mellon machte Harry J. Anslinger zum Leiter des FBN. Dabei muss man wissen, dass Anslingers Frau die Nichte von Mellon ist. Da die Alkohol-Prohibition nicht den gewünschten Effekt erzielte, wurde das Verbot 1931 als gescheitert wieder aufgehoben. Das FBN drohte durch das Ende des Alkoholverbots an Bedeutung zu verlieren und im Speziellen für Anslinger wäre seine bequeme und einflussreiche Position dahin gewesen. Das Federal Bureau of Narcotics brauchte eine neue Aufgabe. So nutzte Anslinger seine Position, um Cannabis als gefährliche Substanz zu propagieren.

Der Beginn einer staatlich orchestrierten Kampagne. Anslinger sind Einwanderer, Schwarze und Künstler ein Dorn im Auge. Gerade die amerikanische Jazz- und Swingszene verbindet er mit dem unliebsamen Marihuana-Konsum. Wie rassistisch geprägt Anslingers Ideologien zu dieser Zeit sind, erkennt man an Aussagen wie „Cannabis lässt Schwarze glauben, sie seien so gut wie Weiße.“ Zudem würden weiße Frauen durch den Konsum sexuell enthemmt und schwarze und mexikanische Männer zu Vergewaltigern und Mördern.

"Cannabis lässt Schwarze glauben, sie seien so gut wie Weiße"

Harry J. Anslinger

Auszug aus dem iD magazine vom 01. Mai 2021

Doch nicht nur das politische Interesse steckt hinter dem Verbot. So fördern unter anderem der Konzern DuPont und Verleger William R. Hearst das Federal Bureau of Narcotics. DuPont produziert in dieser Zeit Chemiefasern und Kunststoffe, darunter Nylon, das die Hanffasern ablösen könnte. Zudem ist Anslingers Schwiegeronkel Mellon einer der Hauptinvestoren von DuPont.

William R. Hearst als Verleger besitzt die größte Zeitungskette Amerikas, sowie zahlreiche Wälder und Papierfabriken. Als rentable Erntemaschinen zur Papierherstellung aus Hanf auf den Markt kommen sollen, entfesselt Hearst in seiner Presse eine beispiellose Heztjagd und Desinformationskampagne gegen Cannabis.

So wurden die Kampagnen gegen Cannabis staatlich geduldet, um Kontrolle über bestimmte Bevölkerungsgruppen zu erlangen und durch führende Industrielle, wie DuPont und Hearst unterstützt, um den unliebsamen Rohstoffkonkurrenten Hanf aus dem Weg zu räumen.

1936 erscheint Anslingers Propaganda-Film „Reefer Madness“ in den amerikanischen Kinos. Der Film propagiert, dass Cannabis zu Gewaltausbrüchen, unkontrollierbarem sexuellem Verlangen und einer nachhaltig veränderten Persöhnlichkeit führe.

Anslinger gelingt es 1937 die Marihuana – Steuer durch den Kongress zu schleusen. Sie belegt eine Unze Cannabis mit einer absurd hohen Steuer von 100 Dollar. Bis 1939 lässt Anslinger über 3000 Ärzte verfolgen, die Cannabis für Zwecke verschrieben, die er für illegal hielt. Ab 1942 erwirkte er ein komplettes Verbot pharmazeutischer Cannabisprodukte in den USA.

Währenddessen verbreitet die Presse weiterhin die sensationslüsternen Ansichten von Gewaltverbrechen unter Cannabiseinfluss. New Yorks Bürgermeister Fiorello Enrico „Henry“ La Guardia lässt Cannabis von 31 unabhängigen Wissenschaftlern ohne Anslingers Wissen überprüfen. Das Ergebnis: 30 Wissenschaftler kommen zu dem Schluss, dass Cannabis keine Gewaltausbrüche, kein unkontrollierbares sexuelles Verlangen und keine veränderte Persönlichkeit hervorruft. 

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La Guardia wird daraufhin denunziert uns Anslinger nutzt seinen Einfluss, um den Bericht zu diskreditieren. Für die Wissenschaft ist Cannabis von nun an ein Tabu. Anslinger legt fest, dass Ärzte und Wissenschaftler nie wieder ohne seine Erlaubnis Marihuana – Experimente oder Forschungen durchführen dürfen. Bei Verstoß drohte er mit Gefängnis.

Nach dem 2. Weltkrieg änderte Anslinger seine Strategie. Während Marihuana bei der Einführung des Marihuana Tax Act (1937) noch gewalttätig machen sollte, würde es nun von Kommunisten benutzt werden, um die amerikanische Kampfmoral zu schwächen. Womit er natürlich wieder zahlreiche Fürsprecher erreichte.

1947 wird Anslinger zur UN – Drogenkommission berufen. In dieser Zeit vertritt er die Ansicht, dass Cannabis – Konsum zwangsläufig zum Konsum härterer Drogen führe, obwohl er das in den Vorjahren verneint hatte. Der Ruf als Einstiegsdroge ist seitdem auch bei uns für viele Menschen bis heute noch präsent. Bei der UN setzt Anslinger das bis heute geltende Einheitsabkommen durch, das Cannabis als gefährliche Droge klassifiziert. Die Konvention gegen Cannabis tritt in Kraft und alle Mitgliedsstaaten müssen das Verbot fortan für sich umsetzen.

Man kann sagen, dass Harry Anslinger über 30 Jahre die weltweite Cannabispolitik steuerte. Dies verdeutlicht die Machtstellung der US – Drogenpolitik, denn sie war traditionell auch immer die Drogenpolitik der westlichen Welt.

Nach seinem Rücktritt 1962  (im Alter von 70 Jahren) wurde die Forschung an Cannabis wieder aufgenommen. In mehreren Interviews und seinem autobiografischen Buch „the murderers“ bestätigt  Anslinger, dass seine Drogenpolitik immer nur als Machtinstrument zur Durchsetzung der Interessen der äußeren Rechten galt und es nie um den Gesundheitsschutz der Bevölkerung oder substanzbezogene Drogenpoltik ging.

Auch die Alkohol – Prohibition hatte schon einen anderen Hintergedanken, als den Gesundheitsschutz. Mächtige Lobbyisten, wie John D. Rockefeller, befürworteten das Alkoholverbot, da dann die Kneipen geschlossen bleiben und damit politische Zusammenkünften des kleinen Mannes die Basis entzogen würde. So verhinderte man Interessenvertretungen der unteren Schichten oder gar Gewerkschaften.

Cannabis kann als Symbol einer durch Rassismus polarisierten Gesellschaft gesehen werden. Harry J. Anslinger ist verantwortlich für die internationale Ächtung, die Cannabis in der Wahrnehmung von einer sicheren und wirksamen medizinischen Behandlungsmethode zu einem gefährlichen Rauschgift verwandelt hat, von der es sich erst in der heutigen Zeit langsam zu erholen beginnt.

Bildquelle Titelbild:

H J. Anslinger papers, 1835-1975 (bulk 1918-1963) , HCLA 1875, Special Collections Library, University Libraries, Pennsylvania State University